Geschäftsstrategie: Männer robben durch Schlamm

Die Checkliste eines Navy Seals

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Als Leif Babin sich in der Ausbildung für eine Offizierslaufbahn zu einem US-amerikanischen Navy Seal befand, hatte er nicht erwartet, dass er so viel Zeit damit verbringen würde, Einsatzbefehle in Power Point Präsentationen für eine Geschäftsstrategie umzusetzen. Er beschreibt diese Situation in seinem neuem Buch: Extreme Führungsverantwortung: Wie Navy Seals führen und gewinnen.

Wie die militärische Einsatzplanung Analogien für eine erfolgreiche Geschäftsstrategie bildet

Während seiner Ausbildung gab es eine allgemeine Tendenz bei ihm und anderen Offiziersanwärtern, Einsatzbefehle zu entwerfen, die ihre Ausbilder beeindrucken sollten und sich nicht an den grundsätzlichen Vorgaben orientierten, etwas zu gestalten, was dem ganzen Team zu Gute kam.

Als Babin 2005 der Einsatzeinheit Bruiser zugeteilt wurde und als Platoon Commander Charlie Platoon leiten sollte, wies ihn sein Kommandant und zukünftiger Mit-Autor Jocko Willink an, Powerpoint einfach zu vergessen.

Als Teil einer abschließenden Übung, die darüber entscheiden würde, ob die die Einheit zu einem höchst gefährlichen Einsatz in den Irak geschickt werden würde (allen wünschten sich diesen Einsatz), mussten Babin und ein anderer Platoon Kommandant eine Einsatzstrategie entwerfen, die beeindruckender und besser war als die von zwei anderen Einheiten.

Das einzige was zählt ist, dass die Strategie verstanden wird

In dieser Wettbewerbssituation erklärte Ihnen Willink „ Ein guter Einsatzbefehl ist nicht dafür gemacht, um Vorgesetzte zu beeindrucken. Es geht nur darum, ob die Truppe, die den Einsatz ausführen wird, die Strategie versteht. Alles andere zählt nicht“.

Folglich machten sich Babin und der anderen Platoon Führer keinen Gedanken darüber mehr, anderen zu beeindrucken. Vielmehr bemühten sie sich, ihren Einsatzbefehl so klar und unmissverständlich wie möglich zu gestalten, so dass jedes Mitglied der Truppe die Ziele des Einsatzes und seine eigene Funktion darin nachvollziehen konnte.

Bei der späteren Bewertung der Einsatzbefehle durch einen übergeordneten Offizier gewann die Einsatzeinheit Bruiser, weil ihr Einsatzbefehl am besten zu verstehen und auszuführen war. Dabei waren die Mitbewerber mit beeindruckenden und umfangreichen Power Points aufgetreten.

Babin hatte sich bei der Ausarbeitung tatsächlich an das gehalten, was Willink als „ Führungsabsicht des Vorgesetzten“ bezeichnete: Das gesamte Team wurde in die Lage versetzt, den Plan der Einsatzführung und dessen Umsetzung so genau zu verstehen, dass es ihn ohne weitere Einflussnahme umsetzen kann.

Die Einsatzeinheit Bruiser durfte nach Ramadi und wurde zu der am höchsten dekorierten Kampfeinheit für besondere Zwecke im gesamten Irak-Krieg.

Die Checkliste für die Planung des Einsatzes

Babin nahm sich diese Lehre sehr zu Herzen. In „Extreme Führungsverantwortung“ skizziert er eine Checkliste bei der Planung eines Einsatzbefehles, die er als Platoon Führer eingesetzt hat:

  • Analyse des gesamten Einsatzes: Vollziehe die Beweggründe der obersten Truppen-Leitung, die Führungsabsicht des Vorgesetzten und das Endziel des Einsatzes. Stelle die Führungsabsicht und das Endziel des eigenen Vorgesetzten besonders deutlich heraus.
  • Zusammenstellung der individuellen Talente, der gesamten Ressourcen und der für den Einsatz verfügbaren Zeit
  • Dezentralisierung des gesamten Planungsprozesses. Schlüsselmitglieder innerhalb des Teams werden beauftragt, verschiedene Aktionsparameter zu prüfen.
  • Ein spezieller Aktionsparameter wird festgelegt. Dabei sollte möglichst die einfachste Handlungsoption ausgewählt werden.
  • Die Einzelheiten des Plans werden durch Schlüsselpersonen im Team festgelegt
  • In jeder Phase der Planung wird mit dem wahrscheinlichsten Ausstattungskontingent geplant. 
  • Kontrollierbare, bekannte Risiken werden so weit wie möglich abgemildert. Teile des Plans und Einsatzbefehls werden an untergeordnete Führungspersonen delegiert. Der Vorgesetzte hält sich als taktisches Gehirn der Angelegenheit zurück.
  • Der Plan wird kontinuierlich überprüft und hinterfragt, soweit neue Informationen auftauchen. Damit wird sichergestellt, dass er der aktuellsten Situation entspricht.
  • Alle Teilnehmer und unterstützende Einheiten werden ausführlich gebrieft. Die Vorgesetzenabsicht wird betont. Das Team erhält Gelegenheit für Fragen und Diskussionen, damit sichergestellt wird, dass jeder alles verstanden hat. Der Vorgesetzte fragt Details nochmals ab.
  • Nach dem Einsatz wird eine weitere Analyse in einer Nachbearbeitung ausgeführt. Dabei werden Lernprozesse herausgearbeitet, damit sie in die zukünftige Planung eingearbeitet werden.

Babin beschreibt in seinem Buch, dass seine Checkliste leicht auf die Geschäftswelt und Geschäftsstrategie übertragen werden kann. Es sei genau das, was er und Willink Führungskräften aus der Wirtschaft seit 2011 im Rahmen ihres Consulting Büros Echelon Front (Staffel Front) weitergeben.

„Wer einen solchen Planungsprozess einführt, fördert die denkbar größte Leistung und gibt seinem Arbeitsteam die größte Chance, seine Aufgabe zu erfüllen und zu gewinnen“, schreibt Babin weiter.

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