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Warum digitale Transformation nicht an Tools scheitert - sondern an zu frühen Entscheidungen

Christof Layher
Christof Layher

Ich habe das lange geglaubt.
Und ehrlich gesagt auch oft genug gesagt.

Digitalisierung scheitert, weil wir die Reihenfolge nicht einhalten.
Schritt 3 vor Schritt 1. Tool vor Problem. Lösung vor Frage.

Das stimmt. Aber es greift zu kurz.

Nach der aktuellen Podcast-Folge bin ich ziemlich sicher:
Das eigentliche Problem liegt noch eine Ebene tiefer.

Nicht die Reihenfolge ist das Kernproblem.
Sondern wie, wann und von wem Entscheidungen getroffen werden.

Wenn alles zäh wird wie Honig

Viele kennen dieses Muster.

Ein Unternehmen startet mit einer neuen Plattform, mit KI, mit einem Digitalprogramm.
Am Anfang geht es schnell. Euphorie. Budget da. Aufmerksamkeit da.

Und dann?
Wird alles zäh. Teuer. Fragil. Langsam.

Die Erklärungen sind immer die gleichen:
Kultur. Change. Technologie. Skill-Gaps.

Was wir selten hinterfragen:
Ob wir überhaupt entscheidungsfähig waren, als wir losgelaufen sind.

Das Komitee entscheidet. Aber worüber eigentlich?

Typische Szene, gerade in regulierten Umfeldern:

  • Business sitzt am Tisch
  • IT sitzt am Tisch
  • Quality sitzt am Tisch
  • Der Markt macht Druck

Und dann passiert etwas sehr Menschliches:
Man entscheidet sich für ein Tool.

Nicht, weil das Problem klar wäre.
Sondern weil ein Tool greifbar ist. Vergleichbar. Präsentierbar.

Ein Datenblatt beruhigt mehr als eine unbequeme Frage.

Das ist kein individuelles Versagen.
Das ist ein systemisches Muster.

Wir haben Systeme gebaut, die schlechte Entscheidungen begünstigen

In vielen Organisationen sind Entscheidungen nicht schlecht, weil Menschen unfähig sind.
Sondern weil das System dahinter:

  • zu instabil ist
  • zu überlastet ist
  • zu politisch ist

Ein instabiles System produziert instabile Entscheidungen.
Ein überlastetes System produziert vorschnelle Entscheidungen.
Ein politisches System produziert opportunistische Entscheidungen.

Und dann wundern wir uns, warum Digitalisierung scheitert.

Reihenfolge ist kein Prozessproblem - sondern ein Reifeproblem

Ich arbeite gern mit klaren Phasen:

  • Stabilität
  • Entwicklung
  • Vorbereitung

Nicht, weil ich Struktur liebe.
Sondern weil in jeder Phase andere Entscheidungen sinnvoll sind.

In der Stabilität klären wir Grundlagen:
Validierungsansätze. Verantwortlichkeiten. Governance.

In der Entwicklung entscheiden wir:
Welche Initiativen verfolgen wir weiter? Welche beenden wir bewusst?

In der Vorbereitung schauen wir:
Welche Trends beobachten wir - und welche eben nicht?

Wenn wir diese Entscheidungen durcheinanderwerfen,
bauen wir ein Penthouse ohne Fundament.

Sieht gut aus.
Hält aber nicht.

Die unbequeme Wahrheit - und die gute Nachricht

Die unbequeme Wahrheit:

Studien sagen, 75 bis 95 Prozent aller Digitalinitiativen scheitern.
Nicht wegen falscher Tools.
Nicht wegen fehlender Kultur.

Sondern weil Organisationen Entscheidungen treffen,
ohne die Grundlage dafür zu haben.

Die gute Nachricht:

Daran kann man arbeiten.
Ohne neues Framework.
Ohne den nächsten GAMP-Aufsatz.
Ohne Methoden-Zirkus.

Was es braucht, ist Ehrlichkeit:

  • Welche Entscheidungen treffen wir zu früh?
  • Wo fehlt Mandat?
  • Wo fehlt Evidenz?
  • Wo entscheiden wir aus Druck statt aus Klarheit?

Entscheidungsaktiv oder entscheidungsfähig?

Eine Frage lasse ich bewusst offen - auch für eine nächste Folge:

Woran erkennt man eigentlich,
ob eine Organisation wirklich entscheidungsfähig ist
oder nur permanent Entscheidungen produziert?

Ich glaube, genau da liegt der Hebel.


 https://youtu.be/-28Ljg-e-LY

 

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